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Newsletter 2022/3

Donnerstag, 30. September 2022

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

willkommen zur dritten Ausgabe des Newsletters der Kompetenzstelle Vietnam für die Agrar- und Ernährungswirtschaft.  Quartalsweise informieren wir Sie mit diesem Format über Fokusthemen im vietnamesischen Lebensmittelsektor, aktuelle Entwicklungen und wichtige Termine informieren. Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!

 

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Kompetenzstelle Vietnam für die Agrar- und Ernährungswirtschaft

⚡EU-Vietnam-Freihandelsabkommen - Lebensmittelhandel im Aufwind

Seit zwei Jahren ist das "EU-Vietnam Free Trade Agreement" (EVFTA) nun in Kraft. Es hat sowohl für Vietnam als auch für die Europäische Union viele Vorteile versprochen. Dies gilt insbesondere für den Handel mit Lebensmitteln und Agrargütern. Im Fokusthema dieses Newsletters wird behandelt, ob die Erwartungshaltungen an das Freihandelsabkommen erfüllt worden sind.

Das EVFTA ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam, welches am 1. August 2020 in Kraft getreten ist. Schlüsselaspekt für die meisten Ex- und Importeure dürfte dabei die Reduktion der Zölle auf Warenlieferungen zwischen der EU und Vietnam sein. 99 % der Zolllinien sollen abgeschafft werden. Dabei verzichtete Vietnam mit dem Inkrafttreten des EVFTAs zunächst auf 65 % aller Einfuhrzölle auf europäische Waren. Umgekehrt verzichtete die EU auf 71 % der Importzölle aller vietnamesischen Waren. In den nächsten fünf bis sieben Jahren sollen dann die restlichen Zölle in verschiedenen Etappen entfallen. Effekte des Freihandelsabkommens sind deutlich bei Agrargütern zu erkennen, denn bisher waren die Zölle für bestimmte Waren, wie zum Beispiel Wein, zum Teil hoch oder sind es immer noch.

 

Von der Zollfreiheit hat besonders Vietnams Export von Garnelen, Reis und Cashew an die EU im vergangenen Jahr profitiert.

  • 🦐 Garnelen: Mit 54 % (303 Millionen USD) haben sie den höchsten Anteil an der in die EU exportierten Produktkategorie, welches einen Sprung von 51 % gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2021 darstellt. In der EU haben die Top-3-Märkte, darunter die Niederlande, Deutschland und Belgien, in den ersten 5 Monaten des Jahres 2022 alle 58-91 % der vietnamesischen Garnelenimporte gesteigert.

  • 🥜 Cashew: Der Marktanteil der vietnamesischen Cashewnüsse an den Gesamtimporten der EU betrug im Jahr 2021 54 %. Im April 2022 stiegen die Cashew-Exporte Vietnams an die EU im Vergleich zum Vormonat wertmäßig um 21 % und mengenmäßig um 22 % auf 49.000 Tonnen. Der Anstieg des Exportwerts wurde dem 0 %-Zoll auf Vietnams Cashew zugeschrieben.

  • 🍚 Reis: Im ersten Quartal 2022 exportierte Vietnam mehr als 22.500 Tonnen Reis auf diesen Markt und verdiente fast 18 Millionen USD, was einer fast 4-fachen Steigerung des Volumens und 4,3-fachen Werts gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2021 entspricht. Dabei nimmt Italien die Führung beim Importvolumen von vietnamesischem Reis ein, mit einer 26-fachen Zunahme im gleichen Zeitraum vor Inkrafttreten des EVFTA. Darüber hinaus gab es mehrere andere Schlüsselmärkte wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande.

 

Die vorgenannten Beispiele beziehen sich allesamt auf Erzeugnisse, die vor allem von Vietnam in die EU exportiert werden. Und tatsächlich fährt das südostasiatische Land derzeit einen deutlichen Handelsbilanzüberschuss gegenüber der EU. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass sich dieses Ungleichgewicht mit dem Freihandelsabkommen ausgleicht. In Vietnam steigen die Einkommen stark an, was insbesondere Spielraum für verarbeitete, hochwertige Lebensmittel aus Europa schafft. Diese positive Marktentwicklung gekoppelt mit den Effekten der Zollreduktion könnte dem Export von der EU nach Vietnam in den kommenden Jahren einen Schub verleihen. Folgend einige Beispiele für starke Zollreduktionen:

  • 🍷 Wein aus der EU von 50% vor dem EVFTA im Jahr 2020 Reduktion sukzessive bis 2030 auf 0% .

  • 🍫 Schokolade von 30% auf 0% 2027

  • 🍺 Bier von 52,5% auf 0% 2023

  • 🌭 Wurst von 33% auf 0% 2030

 

Zusätzlich zu den Zollreduktionen umfasst das EVFTA auch zahlreiche nicht-tarifäre Elemente. Insgesamt gilt es als eines der modernsten und am weitesten reichenden Freihandelsabkommen, die je abgeschlossen wurden. Für den Lebensmittelbereich dürften folgende Dinge besonders relevant sein:

  • Regeln zur phytosanitären Behandlung von Lebensmitteln: Diese Regeln wurden standardisiert und folgen nun dem "WTO SPS Agreement".

  • Geografische Indikatoren (GIs): Über europäische 169 GIs werden nun von den vietnamesischen Behörden anerkannt und geschützt. In Deutschland betrifft dies bspw. "Lübecker Marzipan" und "Franken-Wein".  Eine vollständige Liste ist 👉 hier zu finden.

Aus dem EVFTA ergeben sich also zahlreiche Chancen für Lebensmittelexporteure. Die Kompetenzstelle Vietnam für die deutsche Agrar- und Lebensmittelwirtschaft unterstützt Sie gerne dabei, diese zu nutzen.

📰 Die wichtigsten Nachrichten auf einen Blick

🗓️ Termine

  • 07.-09.12.2022: Food & Hotel Vietnam mit BMEL-Gemeinschaftsstand

Details hierzu und weitere Events 👉 hier auf der Terminseite.

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📞 Kontakt

Frau Phuong Doan, Projektleiterin

Tel: +84 28 3822 7538

Email: agriandfood@vietnam.ahk.de