Lebensmittelmarkt in Vietnam
 

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Einzelhandel

Die Einzelhandelskanäle in Vietnam sind sehr vielfältig. Es gibt etwa 800 Supermärkte, 150 Einkaufszentren, etwa 9.000 traditionelle Märkte und 2,2 Millionen traditionelle Straßen- und Familiengeschäfte. In ländlichen Gebieten verlassen sich die meisten Verbraucher auf traditionelle Handelsformen. In städtischen Gebieten entwickelt sich der moderne Handel zunehmend, insbesondere Online-Shopping über Bestellanwendungen von Supermärkten und Einzelhandelsgeschäften, E-Commerce-Plattformen (Shopee, Lazada, Tiki, Sendo, Grab) und soziale Netzwerke (wie Facebook und Zalo ). Hinweise für Exporteure bezüglich Vermarktung über den ortsgebundenen EH vs. Online sind 👉 hier zu finden.

 

Restaurants & Cafés

In Vietnam gibt es ein breit gefächertes gastronomisches Angebot. Traditionell bieten Garküchen in allen Teilen des Landes lokale Speisen an. Typisch für Vietnam sind in diesem Bezug auch Straßenrestaurants, in denen auf Plastikhockern auf Bürgersteigen Gerichte wie Banh Mi, Bun Cha oder Pho verzehrt werden. Vietnam hat überdies auch eine lokale Kaffee-Kultur. In den Städten des Landes kann an vielen Stellen "Ca Phe Sua Da" (Südvietnam) bzw. "Nau Da" (Nordvietnam) genossen werden. Hierbei handelt es sich um einen Robusta-Kaffee, der mit Kondensmilch (Sua Dac) und Eis genossen wird. Mit dem wirtschaftlichen Wachstum Vietnams und den wachsenden Touristenzahlen (siehe unten) geht jedoch auch eine Modernisierung der vietnamesischen Restaurant- und Café-Szene einher. Lokale Speisen können inzwischen auch in feinen Restaurants genossen werden. Überdies hat sich in den großen Städten auch eine Szene aus westlichen (insbesondere italienischen) und asiatischen (insbesondere japanischen) Etablissements entwickelt. Auch bei en Cafés geht der Trend zu Arabica-Getränken und Gebäck nach westlichem Vorbild. Zu betonen ist, dass Fast-Food-Ketten in Vietnam bislang kaum Fuß gefasst haben. Mehr dazu 👉 hier.

Tourismus

 

Im Jahr 2019 begrüßte Vietnam über 18 Mio. internationale Besucher und belegte damit den vierten Platz unter den Reisezielen in Südostasien. Führende Reiseziele in Vietnam sind HCMC, Hanoi, Quang Ninh, Quang Nam und Da Nang. Bis Ende 2019 wurde die Gesamtzahl der Beherbergungsbetriebe landesweit auf 30.000 geschätzt, darunter 165 5-Sterne-Hotels, 302 4-Sterne-Hotels und 446 3-Sterne-Hotels. Vietnam dürfte mit dem Abflauen der COVID-Tourismus-Krise seinen früheren Wachstumskurs fortsetzen und in den kommenden Jahren zu einer ähnlich prominenten Ferien-Destination wie Thailand werden. Dies eröffnet zahlreiche Chancen für internationale Exporteure.

Verarbeitendes Lebensmittelgewerbe

2020 gab es in Vietnam 10.270 Lebensmittel- und 2.587 Getränkehersteller. Neben einer Vielzahl lokaler Hersteller haben sich auch zahlreiche MNCs (wie bspw. Heineken oder Nestlé) sowie regionale Investoren (bspw. aus Thailand) in Vietnam angesiedelt. Viele frühere Staatsunternehmen im Lebensmittelbereich wurden von Ausländern übernommen. Dies gilt insbesondere für die Bierbranche, in der fast alle großen Brands wie "Hanoi Beer" oder "Saigon Beer" zu internationalen Investoren gehören. Ein Fokus des verarbeitenden Lebensmittelgewerbes liegt auf der Verarbeitung lokal hergestellter Agrargüter, wie bspw. Trockenfrüchte oder Konserven, für den Export. Andererseits produzieren viele Unternehmen auch für den lokalen Absatzmarkt. Weitere Infos zur Lebensmittelvearbeitung in Vietnam 👉hier bei GTAI.

 

Import und Distribution

 

Vietnam ist administrativ in 63 Provinzen und Städte unterteilt, die sich über etwa 1.600 km von Norden nach Süden verteilen. Die Bevölkerung und die Wertschöpfung konzentrieren sich jedoch auf das Delta des Roten Flusses im Norden sowie den Südosten des Landes. Es kann daher argumentiert werden, dass für viele Lebensmittel- und Agrargut-Exporteure nicht "Vietnam" sondern eher der "Hanoi-Haiphong"-Korridor im Norden (mit 14 Mio. Einwohnern) sowie der Großraum Ho-Chi-Minh-Stadt (mit 15 Mio. Einwohnern) die primären Absatzmärkte sind. Für viele Import-Lebensmittel dürfte sich nur hier eine ausreichend große Nachfrage aus der Mittel- und Oberschicht des Landes ergeben. Auch verarbeitende Unternehmen sind vor allem hier angesiedelt. Diese geografisch weit auseinanderliegenden Primärmärkte (Hanoi/Ho-Chi-Minh-Stadt) stellen eine Besonderheit Vietnams dar, die von Exporteuren bedacht werden sollte. Hinweise zu kulturellen Unterschieden zwischen Nord- und Südvietnam und daraus folgende Hinweise zur Vertriebsorganisation sind 👉 hier zu finden.

Primäre Absatzmärkte für Lebensmittelexporteure

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Eine Übersicht über allgemeine Distributionswege in Vietnam ist 👉hier zu finden.  Nachfolgend sind die gängigsten Distributionskanäle spezifisch für den Agrar- und Lebensmittelhandel nach Vietnam abgebildet:

  1. Exporteur >> Großhändler/Handelsvertreter (aka Distributeur) >> Lebensmittelverarbeiter/HoReCa/EH/sonstige

  2. Exporteur >> Lebensmittelverarbeiter/HoReCa/EH/sonstige

 

In der Regel wird der Export über Distributeure abgewickelt. Das Direktgeschäft, bspw. mit HoReCa, ist eher unüblich, weil dort häufig keine Sprachkenntnisse, Lagermöglichkeiten oder Importerfahrung vorhanden sind. Einige Distributeure, wie bspw. Annam oder Hapro, sind auch im EH, der Verarbeitung und HoReCa tätig. Dies kann Exporteuren Vorteile verschaffen, weil dort eine "interne" Nachfrage besteht. Andererseits ist es möglich, dass diese Partner Herausforderungen bei der Akquise "externer" Kunden haben oder hieran schlichtweg nicht interessiert sind. 

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